Der Britische Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation (Martin Gropius Bau)

Ich habe hier vor einer Weile darüber geschrieben, wie ich durch einen Podcast einen neuen Zugang zu meiner eigenen Geschichte – der deutschen – gefunden habe: How I re-discovered my own history via a podcast

Dabei ging es eigentlich um eine Ausstellung im British Museum in London, die von einem fantastischen Podcast von Neil McGregor, dem damaligen Direktor des British Museums, begleitet wurde: Germany – Memories of a Nation

Seitdem bin ich ein großer Fan von Neil McGregor, der im Mai 2015 als Gründungsintendant des Humboldtforums von London nach Berlin wechselte.

Letzte Woche hatte ich einen freien Touristentag in Berlin und den wollte ich eigentlich auf der Museumsinsel verbringen. Nur leider hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in deren Hände die Museen liegen, irgendwie einen Tick. Der Großteil der Museen ist Montags geschlossen. Komisches Konzept, wenn man mich fragt.

Also wurde das Internet angeschmissen und nach einer Alternative gesucht. Ich war am Fuß etwas angeschlagen, humpelte nur durch die Gegend, von daher waren lange Fußmärsche leider nicht drin.

Und dann sah ich es! Im Martin-Gropius-Bau läuft gerade die Ausstellung Der Britische Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation

Richtig, dabei handelt es sich um die Ausstellung, die mich schon in London begeistert hat. Ich habe nicht gezögert und mich auf den Weg gemacht. Ich war gespannt, ob sie genauso aufgebaut wurde (wurde sie) und wie die deutsche Untermalung umgesetzt wurde.

Der Eintritt für die Ausstellung kostet 11 Euro für Erwachsene. Dazu wird ein Audioguide für 4 Euro bzw. 3 Euro für Kinder angeboten.

Bei dieser Ausstellung geht es übrigens nicht darum, eine eindeutige oder vollständige Zusammenstellung über die deutsche Geschichte zu geben. Von daher fand ich auch einige Kommentare im Gästebuch fehl am Platz. Dort wurde moniert “warum fehlt dies, oder warum wurde das nicht mit eingebunden”.

Nein, diese Ausstellung soll mir den Blick eines Briten auf Deutschland geben. Was verbindet uns Deutsche? Welche Erinnerungen teilen wir? Wie sieht der Brite, wie wir uns als Deutsche definieren? Was ist das Gemeinsame, was wir haben? Als doch ziemlich junge Nation, wenn man Deutschland in den heutigen Grenzen sieht. Und aus der Vergangenheit ein Deutschland mit fließenden Grenzen. Wie wirkt sich das auf unsere Erinnerungen aus? Wie können andere Nationen uns verstehen und einordnen? Und können wir das selber überhaupt?

Und weil es eben keine Geschichtsübersicht ist, ist die Ausstellung auch nicht wirklich chronologisch geordnet. Sie beginnt mit dem 9. November 1989, dem Fall der Berliner Mauer. Dann geht es lose weiter mit der Bedeutung von Königsberg und Prag, über die Hanse und die Habsburger zu dem, was noch heute fasziniert “Made in Germany”. Die Zeit des 3. Reiches darf natürlich nicht fehlen. Aber zum Glück ist das nur ein Teil unter vielen in dieser Ausstellung. Das war ja auch schon das, was mich in London angesprochen hatte. Aber ich will hier keine vollständige Auflistung der Themen und Exponate liefern.

Ihr müsst schon selbst hingehen. Glaubt mir, es lohnt sich!

Immer wieder in die Ausstellung eingebunden ist der Audioteil. Einzelne Exponate werden hervorgehoben und dazu werden Geschichten erzählt. Leider nicht mit der ausgesprochen angenehmen Stimme von Neil McGregor, aber auch der Sprecher kann sich hören lassen!

Mir waren die Exponate schon von dem Podcast bekannt, ich habe mich ertappt, wie ich teilweise suchenderweise durch die Ausstellung gegangen bin, denn selbstverständlich habe ich Lieblingsepisoden des Podcasts. Besonders Ernst Barlachs Engel und die Geschichte um Käthe Kollwitz hatten es mir angetan.

Ich kann nur empfehlen, die Ausstellung mit dem Audioguide zu besuchen. Die Beschilderung ist zwar hervorragend gelungen, allerdings verpasst man ohne den Guide vieles zwischen den Zeilen.

Ziemlich am Ende habe ich übrigens zufällig herausgefunden, dass ich mit meinem Erwachsenen Audioguide auch den für die Kinder abhören kann – ich hatte mich wild vertippt. Also bin ich gleich nochmal durch die Ausstellung gegangen.

Schneller dieses Mal, da ich mich auf die “Kindersymbole” konzentriert habe.

Der Audioguide für Kinder ist wirklich gut gemacht – der für Erwachsene übrigens auch, aber mich interessiert es immer besonders, wie Museen auf Kinder eingehen und ihnen das Wissen vermitteln möchten.

Die Idee ist so einfach wie überzeugend: Onkel John ist aus England zu Besuch gekommen und möchte mit seinem Neffen Paul und dessen Freundin Lena, durch die Ausstellung gehen. Lenas Tante ist übrigens die Kuratorin dieser Ausstellung und hatte Lena und Paul schon eine Privatvorführung gegeben. Mal hören, wie gut die beiden aufgepasst haben.

Die Drei erzählen also anhand von einzelnen Ausstellungsstücken, die übrigens nicht zu 100% mit denen des Guides für Erwachsene übereinstimmen, die Erinnerungen einer Nation und auch was sie selber damit verbinden. Passend dazu: die Sicht des Onkel John dazu. Wie nimmt er uns wahr? Was kann er zu den einzelnen Themen aus einer anderen Sicht beitragen? Wie wurde unsere Geschichte zum Beispiel in England in der Schule gelehrt? Was unterscheidet die Wahrnehmung des Briten und uns Deutschen?

Sehr berührend ist das letzte Exponat: Das Gemälde Betty von Gerhard Richter.

Der hervorragende Abschluß mit dem Blick in die Zukunft. Was würde sie sehen, wenn sie sich denn umdrehen würde, das gute Mädchen?

 

 

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