Familieninterviews – Tipps und Tricks

Das Thema des letzten deutschen genchats am 03 März 2016 war “Familieninterviews”. Es ergaben sich hervorragende Gespräche und es wurden viele Tipps ausgetauscht. Ein Teilnehmer sagte sogar “bisher bin ich die Familieninterviews total falsch angegangen”. Es freut mich, wenn unser Austausch solche A-ha-Erlebnisse hervorbringt.

Das möchte ich gerne zum Anlass nehmen, um Euch zu beschreiben, wie solche Interviews bei mir ablaufen.

Vorbereitung ist (fast) alles!

Ich bereite mir immer meine Fragen vor. Weiss ich schon etwas von der Familie und habe konkrete Fragen? Oder ist mir der Teil noch vollkommen neu? Dann geht es eher darum, die Konversation am Laufen zu halten. Mein Grundsatz ist immer: meinen Gegenüber reden lassen.

Ich möchte ungerne die ganze Zeit mit dem Kopf nach unten über meinen Notizblock gebeugt dasitzen. Erstens ist es unhöflich und zweitens einer Unterhaltung nicht förderlich. Von daher kläre ich gleich zu Beginn ab, ob es in Ordnung ist, wenn ich ein Tonband laufen lasse. Wobei mir mein iPhone dabei hilfreiche Dienste leistet. Das lege ich einfach auf den Tisch, stelle die Sprachmemos ein und vergesse es dann. Und ich hoffe, mein Gegenüber vergisst es auch.

Es geht nicht um mich!

Jedes Familienmitglied ist anders. Ich mache mir Gedanken über Alter und Gesundheitszustand, aber auch über die Erlebnisse der Vergangenheit, jedenfalls wenn ich diese einordnen kann.  Ich muss immer darauf gefasst sein, dass bestimmte Themen tabu sind. Besonders bei der Kriegsgeneration. Da kann es heikel werden, über die Zeit das Nationalsozialismus zu reden. Auch Familiengeheimnisse können das Gespräch zum Stocken bringen: uneheliche Kinder, Affären, etc. Immer daran denken, dass die ältere Generation solche Dinge in einem anderen Zusammenhang sieht. Es kann ihnen auch peinlich sein, mit den Enkeln darüber zu reden.

Mein Tipp? Nicht drängeln. Es geht nicht um mich, sondern um meinen Gesprächspartner. Wenn er oder sie sich wohlfühlt, dann kommt auch das Gespräch wieder in Gange. Für den Fall habe ich meine Fragenliste parat und steuere das Gespräch auf ein anderes Thema. Auch hilft es, mehrere Interviews mit einer Person zu führen. Zu Beginn hörte ich mehr als einmal “daran erinnere ich mich doch nicht mehr, Barbara!!” Und zwar im Brustton der Überzeugung. Nach ein paar Gesprächen sprudelten dieselben Personen nur so über vor Erinnerungen.

Es wird emotional!

Nicht vergessen, Taschentücher bereit zu halten. Mehr als einmal flossen Tränen, weil die Erinnerungen emotional wurden. Positiv wie negativ. Aber gemeinsames Weinen hat etwas verbindendes.

Wie geht’s dann weiter? 

Nach dem Interview kommt der harte Teil. Das Transkribieren der Aufnahme. Ich tippe grundsätzlich das gesamte Gespräch nochmal ab. So stelle ich sicher, dass mir nichts durch die Raster fällt. Auch treffe ich beim Abschreiben gleich auf Folgefragen für das nächste Gespräch. Unklarheiten werden so beseitigt. Auch lerne ich beim Abschreiben oft noch Daten und Fakten, die mir im Gespräch selbst entgangen sind.

Das Abtippen kann wirklich anstrengend sein. Mein Highlight “negativer” Art? 7 Stunden Aufnahmen eines Gesprächs von vier Personen, die zwischen Hoch- und Plattdeutsch hin und her gesprungen sind. Da macht Familienforschung doch Spaß.. NICHT!!

Aber die Geschichten, die man hört und die Erkenntnisse, die man gewinnt, sind das alles wert. Nicht zu vergessen, die Verbindung, die man wieder mit der vorherigen oder der 2. Generation vor uns aufnimmt.

Und jetzt viel Spaß beim nächsten Familieninterview!

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