Mein Besuch im National Archive UK

Oh je, was für eine Odysee!!

Ich bin vor einigen Wochen für eine Weile von Deutschland nach London gezogen. Und da ich ja vor kurzem herausgefunden habe, dass meine Großtante Eva Louise Nicolaus in Wales geheiratet hat, habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, dem Nationalarchiv des Vereinigten Königreiches einen Besuch abzustatten. Einen Überblick meiner bisherigen Blogs über Eva findet Ihr hier: Zusammenfassung Eva Louise Nicolaus

Geplant war es schon für letztes Wochenende. Ich habe also online gecheckt, wie ich da hinkomme und sofort sprang mir ein Warnhinweis ins Gesicht, dass während des Wochenendes Bauarbeiten auf der Strecke wären.

Hmm.. das hätte ich dieses Wochenende auch mal machen müssen.. soviel vorweg ;)

Denn eigentlich ist es ganz einfach. Ein kurzer Blick auf die Karte der Londoner U-Bahn hilft dabei:

Karte Londoner U-Bahn

Karte Londoner U-Bahn

Ein Blick auf die Karte, von der Mitte etwas nach rechts und nach unten (gelb und grün) dort findet Ihr die Station “Tower Hill Station”, das ist meine. Und dann müsste ich einfach nur in eine der grünen District Line U-Bahnen einsteigen, im Uhrzeigersinn fahren und kurz vor der Endstation in “Kew Gardens” austeigen. Das Nationalarchiv ist in Kew im Westen von London. Dafür benötige ich ca. 40 Minuten.

Und jetzt kommt das große ABER. Als ich an der Tower Hill Station ankomme, sind die Tore runtergelassen und davor stehen nette Menschen, die einem sagen, wie man nun dorthin kommt, wo man hin möchte. Als ich also “Kew Gardens” sage, kommt nur ein “oh gosh” zurück. Ähem.. nicht gerade ermutigend. Mein neuer Weg: ich laufe eine Station zurück bis Aldgate (ein bißchen nach oben). Nehme die gelbe “Cirle Line” gegen den Uhrzeigersinn fast Dreiviertel herum bis “Hammersmith” und nehme dann dort wieder die grüne “District Line” bis Kew Gardens.

Das war also Plan B! Bis Hammersmith lief auch alles so weit so gut. Dort angekommen, habe ich dann 2 U-Bahnen fahren lassen, bis ich am Kiosk auf dem Bahnsteig nachgefragt habe – Plan C? Nach Kew Gardens fuhren nur Busse. Ich kam also in den Genuß meiner ersten Doppeldeckerfahrt und nach knapp 2 (in Worten: zwei!!) Stunden kam ich also am Nationalarchiv an.

Und ich war erstmal total hin und weg – das Gebäude ist riesig, umgeben von einem kleinen Park mit Wasserspielen. Das ganze wirkte an einem schönen Spätsommertag sehr einladend.

IMG_1618 IMG_1606 IMG_1608

Gleich in der Lobby findet man einen Informationsschalter, wo nette Mitarbeiter Besuchern hilfreich zur Seite stehen.

Spinde

Spinde

Erstmal geht es zu den Spinden. Alles was nicht für die Forschung benötigt wird, wird eingeschlossen.

IMG_1610

Alles was man braucht, kommt in eine durchsichtige Plastiktüte, die dort ausliegen. Spinde und Tüten sind übrigens kostenlos, genauso wie die gesamte Nutzung des Archives!  Ich benötigte noch nichtmal Kleingeld für den Spind.

Mit der Tüte bewaffnet geht es nach oben an den Schalter, der den bezeichnenden Namen “How to start” trägt. Dort erzählte ich dann, warum ich hier bin und was ich mir erhoffe: Meine Großtante Eva Louise Matthis geb. Nicolaus geboren 1898 oder 1902 in Königsberg in Ostpreussen, heiratete 1949 in Wales John Percival Philips und wanderte 1955 auf der MV Georgic nach Australien aus.

Und ganz klar erzählte ich ihm auch, dass ich ein totaler Neuling mit meiner Forschung auf der Insel wäre und auch noch nie vorher im Nationalarchiv war. Er setzte sich sehr hilfreich mit mir an einen der PCs und erklärte mir, welche Unterlagen ich digitalisiert einsehen könne. Und das ist wirklich eine Menge. Ich hatte ja darauf gehofft, dass auch Einreisedokumente darunter wären, aber leider nein. Aber Ausreisepassagierlisten waren vorhanden. Das Nationalarchiv arbeitet mit Find My Past zusammen. Man sucht also von der Oberfläche des Archivs in den Unterlagen von FMP. Die Listen von der Einreise nach  Australien hatte ich schon auf der Webseite des Australischen Nationalarchivs gefunden (transkribiert), aber die englische Seite gab mir doch eine sehr wertvolle weitere Information: das genaue Geburtsdatum von Eva – der 11. April 1902.

Und dann ist mir doch einer der blödesten Anfängerfehler unterlaufen: ich habe meinen USB Stick vergessen. Also wurde das Smartphone gezückt und der Bildschirm fotografiert und dann ging es auf die “altmodische” Art und Weise: Abschreiben, Barbara – abschreiben ;)

IMG_1613

Und noch eine weitere Info: Eva präsentierte für die Ausreise einen englischen Pass. Die sind allerdings nicht digitalisiert Das heisst, ich werde noch mindestens einen Tag im Archiv verbringen, um mich mit den “Naturalisation certificates” zu beschäftigen. Die kann ich von zu Hause schon online bestellen, dann hole ich mir vor Ort ein sogenanntes “Reader Ticket” und dann kann es losgehen. Ich werde weiter berichten ;)

Eva und Else Nicolaus

Eva und Else Nicolaus

Es stimmt also leider. Auf diesem Foto hatte ich Eva immer als die große Schwester identifiziert (Familienerzählungen), aber Else ist 1900 geboren und Eva 1902, also ist sie die kleine Schwester – Asche auf mein Haupt :)

Und welch ein Zufall: zur Zeit logiert das Family History Centre London der Mormonen in den Räumen des Nationalarchivs. Auf der Insel hat man sich also nicht so “zickig” mit denen, wie teilweise bei uns in Deutschland. Sehr schön! Dort hatte ich auf Kirchenbücher gehofft, aber die, die sie aus Pembroke (dem County, in dem Eva geheiratet hat) hatten, waren einfach knapp 100 Jahre zu früh. Schade drum. Aber man kann nicht alles haben.

Um kurz vor 17 Uhr habe ich dann meine Sachen gepackt (das Archiv schliesst Sonnabends um 17 Uhr), habe noch ein paar Minuten im Buchladen unten in der Lobby verbracht und habe mich dann auf den beschwerlichen Heimweg gemacht.

Und dürfte ich in einem deutschen Archiv mal so eine große “Ahnenforschung / Genealogie” Sektion im Buchladen haben? Es ging links um die Ecke noch weiter.

IMG_1615

Und kurz vor 19 Uhr war ich dann wieder zu Hause.

Mein Fazit! Ich bin sehr begeistert. Für die aufwändige An-und Abreise kann das Archiv ja nichts. Kostenlose Nutzung des Archivs, kostenlose Nutzung der Spinde, sehr hell, sehr geräumig, gute Ausstattung an Bildschirmen zur Einsicht der Digitalisate, sehr hilfreiche und freundliche Mitarbeiter. Das war bestimmt nicht mein letzter Besuch!

please comment

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s