Mein Besuch in der Ballinstadt – Teil 2

Hier geht es zum ersten Teil

Und dann kommt der große Tag. Jetzt geht es los. Nach langem Vorbereiten, Anreisen und Warten. Die Habseligkeiten in einem kleinen Koffer verstaut, die letzten Groschen, Taler sorgfältig und sicher eingepackt.

Jetzt geht es endlich auf das Schiff, die Reise beginnt. Auch für uns als Besucher, denn der Übergang ist gut gemacht. Wir gehen genauso die Gangway hinauf wie die Auswanderer 100 Jahre vor uns, dabei stellt sich die Frage “Was nehmen wir mit?”:

Was nehmen wir mit?

Was nehmen wir mit?

Ich glaube, das wichtigste war dies hier:

Hoffnung

Hoffnung

Ohne die Hoffnung auf ein besseres Leben hätte wohl keiner der Menschen diese Reise auf sich genommen. Und dann betreten wir das Schiff und können sehen, wie die Menschen damals gereist sind.

Obwohl ich die Unterbringung im Zwischendeck wahrlich nicht “reisen” nennen könnte. Das sah eher nach “Stapelung von Fracht” aus:

Zwischendeck

Zwischendeck

Kein Licht, keine Luft. An Deck durften sie nur eine Stunde am Tag und das auch nur bei ruhiger See, wenn sie keinem im Weg herum standen. Ich kann mir vorstellen, dass sie nur für ein schnelles, sicheres Ende der Reise gebetet haben.

Die zweite Klasse sieht dann schon eher nach Reisen aus…

Zweite Klasse

Zweite Klasse

Auch hier gibt es ein kleines Extra für Kinder: die dürfen einmal im Zwischendeck probeliegen. Dafür heisst es aber auch: einmal unten reinkrabbeln, bitte. Nein, diese Kinderstation musste ich dann doch nicht mitmachen ;)

Dann endlich sind wir da. Da ist sie, die Freihheitsstatue, die wir bei der Einfahrt des Hafens vor uns sehen. Also werden die paar Habseligkeiten wieder zusammen gepackt und es geht runter vom Schiff.

Foto (11)

Was lassen wir zurück?

Was lassen wir zurück?

Nun stand die letzte Kontrolle vor den Auswandereren .. oder waren es nun Einwanderer?? Auf alle Fälle vor denen, die in der neuen Welt ein neues Leben anfangen wollten. Es bestand immer noch das Risiko, dass man wieder nach Hause geschickt wurde. Dieses Schicksal traf ungefähr 2% der Auswanderer. Sie hatten entweder nicht genügend Geld dabei, waren krank oder haben auch nur die Fragen der Einwandererbehörde falsch beantwortet. 

Aber wer diese letzte Hürde überwunden hatte, hatte es endlich geschafft. Sie waren da: angekommen in der neuen Welt.

Mich hätte man z.B. gleich wieder nach Hause geschickt, ich bin beim Beantworten der Fragen prompt durchgefallen. Dieser Teil der Ausstellung ist sehr filmlastig. Es gibt kurze Zusammenschnitte vom History Channel über Dokumentationen über Einwanderung in die USA.

Es geht weiter mit dem Leben der Neu-Amerikaner. Wie haben sie sich zurecht gefunden? Was haben sie gemacht?

Foto (18)

Aber auch hier erwarten uns wieder “unsere” Auswanderer, die uns ihre Geschichte weiter erzählen.  Wie ist es ihnen in den ersten Jahren nach dem Verlassen der Heimat ergangen? Was ich als sehr positiv empfunden habe, war, dass nicht nur Erfolgsgeschichten erzählt wurden. Sondern auch die Beispiele, bei denen es nicht so gut gelaufen ist. Bei denen die Menschen unter Heimweh gelitten haben. Aber für die meisten gab es keinen Weg mehr zurück.

Der letzte Teil in dieser Halle ist der Statistik vorbehalten. Wieviele Menschen kamen aus welchen Ländern? Wohin wurde weiter gereist? Wie haben die Einwanderer sich in dem Land verbreitet?

Etwas trocken, aber es schliesst das Thema gut ab. Und nicht zu vergessen, meine Lieblings-Kinderstationen sind auch vertreten. Ich verabschiede mich also von meiner Wienerin in den 30ern mit ihren beiden Kindern, die von ihrem liebenden Ehemann in die Arme geschlossen wird und gehe weiter in die Halle 3.

Die Halle 3

Diese ist der Ballinstadt an sich vorbehalten.

Anmeldung

Anmeldung

Schlafsaal

Schlafsaal

Nach der Anmeldung wurden die Auswanderer nach Geschlechtern getrennt. Männer in einem Schlafsaal, Frauen und Kinder in einem anderen. Kinder waren übrigens nur bis zum Alter von 10 Jahren Kinder. Danach mussten die Jungs rüber zu den Männern, sie galten schon als erwachsen. Schon heftig, irgendwie. Das sind doch noch Babies!

Auch hier gibt es wieder Hörstationen, an denen z.B. Kinder ihre Zeit in der Ballinstadt beschreiben. Was sie den ganzen Tag so getrieben haben, welche Spiele gespielt wurden.

Da jeder Auswanderer nur einen Koffer mitnehmen durfte, können hier Kinder mal probieren, einen Koffer zu packen.

Und was würde man als Erwachsener mitnehmen? Kleidung oder Andenken? Bilder, Briefe oder doch eher die praktischen Dinge für’s Leben?

Und dann kommen wir zu der letzten Tür.. die Forschungsstation. Dort kann man Einsicht in die bereits digitalisierten Passagierlisten nehmen, die vom Hamburger Staatsarchiv freigegeben wurden. Dies wird in Verbindung mit Ancestry.de bereit gestellt. Wer also ein Ancestry.de Mitglied ist, kann die Abfrage also auch zu Hause machen. Das hatte ich mir – ehrlich gesagt – etwas spektakulärer vorgestellt. Ich hatte gehofft, dass ich in anderen Unterlagen forschen kann. Dass aus der Ballinstadt direkt auch noch Unterlagen existieren. Das konnte mir aber keiner beantworten. Eventuell in den Kellern und Katakomben von Hapag-Lloyd, wer weiss das schon…?

Das war er also,  mein Besuch in der Ballinstadt. Ich kann nur sagen: der Ausflug auf die Veddel hat sich wirklich gelohnt. Ich habe keine Minute davon bereut. Ich hoffe, ich konnte auch meine Begeisterung etwas rüberbringen.

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