Mein Besuch in der Ballinstadt – Teil 1

Nach zwei Wochen Urlaub am Strand liess der Sommer kurz mal nach und es wurde empfindlich kühl im Strandkorb. Und schlechtes Wetter ist bekanntermassen Museum Wetter.

Also verließ ich mein Quartier in Travemünde für einen Tag und machte mich auf den Weg nach Hamburg in die Ballin-Stadt.

Die Ballin-Stadt, benannt nach dem Gründer Albert Ballin, langjährigem Vorsitzenden der HAPAG, ist ein Auswanderermuseum auf der historischen Stätte der Auswandererhallen auf der Hamburger Veddel.

Hier existierte ab 1901 die Auswandererstadt, geplant nach den Ideen von Albert Ballin. Die Veddel lag genau an der südlichen Stadtgrenze Hamburgs und konnte direkt mit der Eisenbahnlinie erreicht werden. So konnten die Auswanderer dort anreisen, ohne die Stadt Hamburg überhaupt betreten zu  müssen. So behielt die HAPAG fast vollständig die Kontrolle über die Auswanderung.

Die Anreise heute ist denkbar einfach. Vom Hauptbahnhof nimmt man die S3 oder S31 in Richtung Harburg bzw. Wilhelmsburg und steigt direkt an der Station Veddel / Ballinstadt aus. Von der S-Bahn Station sind es nur ein paar Gehminuten bis zur Ballinstadt. Das Museum besteht aus 3 noch gebliebenen Hallen. Die erste Halle enthält “nur” das Foyer, die Kasse und Veranstaltungsräume. Der Eintritt für Erwachsene kostet 12 Euro. Das erscheint auf den ersten Blick eine ganze Menge, aber ich nehme eines vorweg: Das Museum ist seinen Preis wert.

Die zweite Halle ist das Hauptstück der Ausstellung. Hier wird an mehreren Beispielen die gesamte Auswanderung durchlaufen. Von der ersten Überlegung, das Heimatland zu verlassen, bis hin zur Ankunft in New York und dem neuen Leben in den USA bzw. in dem endgültigen Zielland.

Das erste, was der Besucher in der Halle sieht, sind mehrer Bildschirme in Bilderrahmen eingelassen, die in einer Art Diashow alte Fotos aus den Zeiten der Auswanderung zeigen. Wenn man das kleine Foyer durchquert hat, geht es mit 6 exemplarischen Auswanderern weiter. An den Hörstationen der Figuren kann man sich den Anfang deren Geschichte anhören. Was hat sie dazu gebracht, ihre Heimat hinter sich zu lassen und den Schritt über den großen Teich zu wagen?

Hier geht es los

Ballinstadt

Hier geht es auch los mit den Simmigrants-Karten. Das sind Spielkarten, die eigentlich für Kinder gedacht sind. Damit kann man an verschiedenen Stationen das Leben seines eigenen Auswanderers, der hier im ersten Raum an der ersten Station erstellt wird, verfolgen. Man kann selbst entscheiden, ob es ein Kind oder Erwachsener, vom Land oder aus der Stadt kommen soll. Ich liebe diese Kinderkarten in Museen. Denn meistens sind die Kinderstationen so viel spannender als die für die Erwachsenen ;)

Ich entschied mich für eine erwachsene Frau aus der Großstadt, also für mein Pendant. “Meine” Auswanderin war also eine Frau in den 30ern aus Wien mit 2 Kindern, die von ihrem Mann in die USA nachgeholt wird.

Weiter geht es mit dem nächsten Schritt bei der Auswanderung: die Anreise nach Hamburg. Mit Bahn, Pferdekarren, ja teilweise zu Fuß sind die Menschen aus ganz Europa nach Hamburg gereist, um von dort in die neue Welt aufzubrechen.

Bekanntmachung an der Grenze zu Preussen

Bekanntmachung an der Grenze zu Preussen

Schon bei der Einreise nach Preussen mussten sich die Auswanderwilligen der ersten von diversen Kontrollen unterziehen. Wer keine Schiffspassage vorweisen konnte, musste an der Grenze eine kaufen. So wollte Preussen vermeiden, dass die Auswanderer nicht an Bord gingen, sondern in Hamburg stranden würden. Auch kam hier die erste der ärztlichen Untersuchungen und Bäder, damit keine Seuchen und Ungeziefer eingeschleppt wird.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man sich dabei fühlen mag, wenn man alles zurücklässt, um in ein Land aufzubrechen, von dem man nur den Namen kennt. Ich selbst habe schon in mehreren Ländern der Welt gelebt, aber ich hatte Telefon oder in den letzten Jahren emails, Skype und soziale Netzwerke, um mit Freunden und Familien in Kontakt zu bleiben.

Wie schlecht muss man sich in seinem eigenen Land fühlen, um auf die Versprechungen der Agenten der Reedereien einzugehen?

Anwerbung von Auswanderern per Zeitungsannonce

Anwerbung von Auswanderern per Zeitungsannonce

Und immer wieder gibt es sogenannte “Hörstationen” mit historisch nachgebauten Telefonen. Es werden Briefe von Auswanderern oder alte Zeitungsartikel vorgelesen, “unsere” Auswanderer aus dem ersten Raum erzählen uns ihre Geschichte.

Beeindruckend ist auch die Ausstellung von Originaldokumenten, wie diese Bürgerrechts-Verzichts-Urkunde.

Foto (13)

Aber auch Briefe, Koffer sowie Kleidung ist ausgestellt. Und immer wieder tauchen die Simmigrants-Stationen auf. Das waren wirklich meine Lieblinge. Immer wenn ich eine Station entdeckt habe, musste ich als erstes da ran. Zum Glück musste ich keine anderen Kinder verscheuchen ;)

Fortsetzung folgt ….

One thought on “Mein Besuch in der Ballinstadt – Teil 1

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